Der Ritter:

 

Wie die Bezeichnung „Ritter“ erahnen lässt, leitet sie sich von Reiter ab. Es waren die gut bewaffneten Reiter, die ihre Besitztümer oder die des Königs verteidigten.

Zu den Waffen der Ritter gehörten die Lanze, die als bevorzugte Waffe zu Pferde eingesetzt wurde. Die Lanzen wurden als Stoßwaffe verwendet, die eine immense Durchschlagkraft entwickelten. Bis ins Spätmittelalter wurden die Lanzen immer größer und länger, bis sie eine Länge von 5 Metern erreichten. Diese Exemplare hatten einen schmalen Griff und wurden unter die Achsel geklemmt.

 

Als Sekundärwaffe wurde das Schwert verwendet. Es diente als Hiebwaffe auch im Zweikampf am Boden. Des weiteren wurde ein Dolch mitgeführt, der als Reservewaffe Verwendung fand.

Die Ritter schützten sich durch einen wattierten Gambeson, der unter dem Kettenhemd getragen wurde. In Kombination von Kettenhemd und Gambeson konnten Schläge recht gut abgefedert werden. Kettenhandschuhe und –beinlinge komplettierten den Körperschutz, später kamen metallene Voll-Rüstungen und Plattenhandschuhe zum Einsatz. Der Kopf wurde wirkungsvoll durch einen Helm geschützt, unter dem anfans noch eine Kettenhaube getragen wurde.

Über der Rüstung trug der Ritter als Erkennungszeichen einen Wappenrock.

 

 

 

Das Turney:

 

Im Turney konnten sich die Ritter aneinander messen und ihr Können unter Beweis stellen. Anfänglich hatte das Turnier eher einen kriegerischen Charakter, später diente es mehr als Volksfest. Der Begriff Turney umfasste dabei sowohl das Spiel der Ritter, wie auch die gesamte festliche Veranstaltung. Die Teilnahme am Turnier forderte einen hohen Einsatz, nicht nur Leib und Leben sondern auch der Verlust des teuren Pferdes, sowie der Waffen und Rüstung standen auf dem Spiel. Wer jemandem zum Tjost forderte, der setzte häufig alles auf eine Karte, vor allem, wenn er nicht gut betucht war. Während die ersten Turniere in der Kernburg abgehalten wurden, rückten sie im laufe der Zeit immer weiter in die Ortsmittelpunkte. Oftmals wurden die Turniere dann auf Marktplätzen abgehalten.

 

Im Turney waren verschiedenste Disziplinen üblich. Angefangen vom Buhurt, einem Geschicklichkeitsreiten ohne Waffe, bei dem es darum ging, den Gegner oder die gegnerischen Verbände durch geschicktes taktieren zu besiegen. Dazu versuchte man den Gegner vom Pferd zu stoßen. Heute, wie auch früher, kann man mit Stroh gefüllten Säcken gegeneinander reiten und versucht, den Strohsack des anderen zu bekommen, bzw. aus der Hand zu entreißen. In anderen Spielen kann man farbige Armbinden entreißen. Gewonnen hat der oder die Mannschaft, die die Armbinden noch trägt.

 

Die Königsdisziplin war der Tjost. Dabei wurde mit Lanzen gegeneinander geritten. Der Ritter versuchte seinen Gegner vom Pferd zu stoßen. Eine recht gefährliche Disziplin, die im Mittelalter viele Menschenleben forderte. Nicht nur durch direkte Lanzeneinwirkung, sondern auch durch die Folgen eines Sturzes oder Knochenbruchs kam es zu Infekten, die oftmals zum Tode führten.

Es hat derjenige gewonnen, der seine Lanze am Schild des Gegners bricht oder ihn gar vom Pferde stößt. Die Lanzen waren anfänglich spitz, erst im 13. Jahrhundert entschärfte man sie mit gezackten Turnierkronen. Die Tjost-Lanzen waren 4 bis 5 Meter lang. 

 

 

 

Die Reiterei bei GRAL:

 

Die Geschichte der Reiterei im Verein begann schon recht früh. Bereits bei den ersten Veranstaltungen, die von einer Gruppe mittelalterlich interessierter Personen, aus denen dann später der Verein GRAL hervorging, am Haus Recke in Balve durchgeführt wurden, waren Pferde mit dabei. Die Pferde waren es schon gewohnt Geschicklichkeitsturniere zu gehen, bei denen man hin und wieder auch mal einen Ring stechen oder etwas von einer Unterlage greifen kann.

Zusammen mit dem Verein wuchs das Interesse an einer Ausbildung der Pferde in den Disziplinen eines ritterlichen Turneys.

 

Inzwischen hat GRAL schon einige Edeldamen, Kämpfer und Ritter, die auf Pferden z.B. an historischen Umzügen teilnehmen oder sich im Turney in den folgenden Disziplinen, die vom Herold kommentiert werden, messen. Er vergibt die Okuli (Punkte). Geritten wird üblicherweise im Galopp.

 

Die Disziplinen:

Hälse schlagen

 

Es sind drei Helme auf Hälsen (Holzklötzen) aufgestellt.

Aufgabe ist es, mit einem Schwert  diese Hälse unter den Helmen weg zu schlagen.

 
Eber stechen: Ein zu einem Eber umfunktionierter Strohballen ist mit einer spitzen Lanze zu treffen.

Becher greifen

 

Ein mit Wasser gefüllter Becher wird auf der Pallia (Mittelbande) aufgestellt. Dieser Becher ist zu greifen, ohne dass er ausgeschüttet wird.

 

Ringe stechen: Dabei werden mit einer ca. 2 Meter langen Lanze drei Ringe von entsprechenden Ständern aufgenommen.

Roland reiten

 

Der Roland ist ein drehbares Schild, auf dessen Rückseite ein Sack mit Stroh hängt.

Mit einer Lanze wird das Schild angestoßen und der Roland in Drehung versetzt. Die Anzahl der Umdrehungen wird gewertet. 

Köpfe stechen

 

Ein nachgebildeter Kopf wird auf das Turnierfeld geworfen.

Ihn gilt es mit einer spitzen Lanze aus dem Galopp aufzuspießen 

Buhurt

 

Der Buhurt wird üblicherweise bei uns mit einem Strohsack geritten, bei dem es darum geht, dem Gegner den Strohsack zu entreißen.

Wer seinen Strohsack verliert, der verliert auch den Kampf.

 

 

Tjost

 

Im Tjost wird mit langen Tjostlanzen gegeneinander geritten. Dabei gilt es, den Schild des Gegners zu treffen.

Gewonnen hat derjenige, der seine Lanze am Schild des anderen bricht. Zum Tjosten ist es erforderlich, dass mit Handschuhen, Gambeson und Kette, sowie einer Kettenhaube, die den Hals vollständig bedeckt, geritten wird. Ein Helm ist dringend angeraten. Die Lanzen sind an der Spitze so präpariert, dass sie leicht zerbrechen und die Verletzungsgefahr minimieren. In der Regel lässt der Herold nur Paarungen zu, die dieses vorher miteinander einstudiert haben.